Meine Ostererfahrung 14.04.2020



 Der Weg mit Jesus vom Garten Getsemani bis hin zum leeren Grab war so ganz anders als sonst. All die anderen Jahre war ich an diesen Tagen täglich in der Kirche. Ich habe mit meinen Glaubensgeschwistern gemeinsam die Bibeltexte, die Predigten gehört. Nach den Gottesdiensten habe ich noch mit der/dem ein oder anderen gesprochen, manchmal auch über die Erfahrung, die ich mit oder zu einem der Texte gemacht habe. Diesmal war alles so ganz anders. Es war eine tiefe neue spirituelle Erfahrung für mich, die ich allein lebe und so mehr oder weniger auf mich selbst geworfen bin, ähnlich wie in Exerzitien.

 

Da ich diese Zeit sehr stark mit dem Wort Gottes gelebt habe, muss ich sagen, dass es ein sehr intensiver Weg war. Oben, auf dem Foto steht übersetzt: „Komm zu mir und du wirst leben. (Jes 55,3) Und das ist so wahr! Ich habe es wieder einmal erfahren.

 

Im Garten Gethsemane gibt Jesus das große „Ja“ zu dem Becher, den er trinken soll. Ein Becher, gefüllt mit aller Schuld und Sünde der Welt, mit allen Gewalttaten, Quälereien, Perversionen, Abnormitäten – denken wir an das, was in den Konzentrationslagern geschehen ist, ………. . Diesen Becher nimmt er an! Er trinkt ihn freiwillig bis zum letzten Schluck für uns alle und nimmt so all das Böse und Grausame das ganze Gift mit an das Kreuz. Mit ihm wird dieser Becher an das Kreuz genagelt. Jesus geht diesen Weg aus der großen Liebe, die er zu uns Menschen hat. Er ist es, der uns zuerst geliebt hat und der den Weg der Liebe, der zur Erlösung führt, konsequent geht.

 

Als ich Karfreitag auf der roten Kniebank vor dem großen Kreuz in der St. Laurentius Kirche kniete, fiel mir ein, dass ich früher oft gedacht habe: „Jesus, du hast sechs Stunden gelitten, und dann war alles vorbei. Und ich, ich habe oft tage-, wochenlang wahnsinnige Schmerzen erdulden müssen.“ Was habe ich mich geschämt! Mir liefen die Tränen die Wangen herunter. Ich konnte nur noch leise stammeln: „O, Herr, verzeih mir! Du hast die Schuld der ganzen Welt getragen. Das ist unvorstellbar! Bitte verzeih mir!“ Dann wurde ich ganz ruhig. Die Tränen verebbten und tief in meinem Herzen wurde es warm und hell. Und ich meinte zu hören: „Andrea, ich habe dir schon lange vergeben, bevor du diese Bitte ausgesprochen hast. Schon vor Jahren! Ich liebe dich! Schau in deine Hand. Mal ein imaginatives Kreuz hinein. Das soll dich daran erinnern, dass dein Name eingeschrieben ist in meine Hand.“ So heißt es beim Propheten Jesaja. (Jes 49,16) Das war wohl das tiefste Erlebnis, dass ich in den Tagen hatte.

 

In der Osternacht hat mich besonders die Lesung aus dem Propheten Ezechiel beschäftigt: “Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz aus Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz aus Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.“ (Ez 36,27) Wo Gott am Zug ist, da verwandelt er ein steinernes Herz in ein mitfühlendes, empfindsames Herz und einen verstockten Geist in seinen Geist. So werden wir zu Menschen, die seinen Geist in sich tragen, Was bedeutet das, wenn ich Gottes Geist in mir trage? Das bedeutet, das Er, Gott selbst, mich beseelt, dass er mit mir – vorausgesetzt, ich frage ihn – entscheidet, wenn Entscheidungen zu treffen sind. Ich muss es nicht allein tun. Er, der Auferstandene ist an meiner Seite und begleitet mich – jeden Tag.

 

So trägt jeder von uns den Geist des auferstandenen Jesus in sich. Unvorstellbar und doch wahr! Wir Christen haben somit schon jetzt Anteil an der Auferstehung Jesu. Wir müssen nicht warten, bis wir gestorben sind. Nein, wir sind jetzt schon mit ihm auferstanden, wahrhaft auferstanden. Darüber können wir uns wirklich freuen! Halleluja!

 

Komm zu mir und du wirst leben!

Jes 55,3

Andrea Korte