In der Begegnung geschieht Erkenntnis



Es ist bereits der dritte Tag, seit das alles geschehen ist. Jesus, ihr Freund und Weggefährte lebt nicht mehr. Er wurde hingerichtet, wie ein Verbrecher. Was wird nun werden? Wir waren mit ihm zusammen, als er Menschen von Krankheiten heilte, als er Wasser zu Wein gewandelt hatte, als er Brot vermehrt hatte und viele unglaubliche Taten mehr.

 

Traurig gehen die Jünger weg von Jerusalem. Ihr Weg führt nach Emmaus. Jerusalem, die Stadt Jerusalem steht für das Heilige, hier ist der Tempel, hier ist Gott ihnen nahe, hier ist der Ort der Begegnung mit Gott. Es ist aber auch der Ort, an dem Jesus zum Tode verurteilt wurde. Sie, die verurteilt haben, wussten nicht, was sie taten. Sie handelten aus Unkenntnis.

 

Nun gehen die Jünger nach Emmaus. Sie wenden sich ab von der heiligen Stadt und wenden sich der Welt, der weltlichen Macht zu. Emmaus war zur Zeit Jesus wahrscheinlich ein Militärlager. Sie, die Jünger, wenden sich dem irdischen zu. Der Himmel, die Worte Jesu, die er ihnen immer gelehrt hatte, scheinen weit weg zu sein. So merken sie nicht, dass sie bereits zu dritt unterwegs sind. Sie machen ihm, den sie nicht erkennen, dem vermeintlich Fremden, als er sie nach ihrem Gesprächsthema fragte, einen Vorwurf mit den Worten, ob er der einzige sei, der nicht wüsste, was hier vor drei Tagen geschehen ist.

 

Nun legt der vermeintlich Fremde ihnen die Schrift aus. Schemenhaft scheinen sie zu erkennen, trauen sich aber nicht, Stellung zu beziehen. Als es Abend wird, laden sie ihn in ihr Haus zum Abendessen und zum Übernachten ein. Beim Abendessen, als er mit ihnen das Brot bricht, geschieht plötzlich Erkenntnis. Die Jünger erkennen ihn. Nun wissen sie es, er lebt, Jesus lebt. Aus Traurigkeit wird große Freude. Die Jünger können nicht zu Hause bleiben, noch in derselben Nacht eilen sie nach Jerusalem zurück, der Gefahr trotzend, um es den anderen mitzuteilen, was sie erlebt hatten, um ihnen Zeugnis zu geben, dass Jesus lebt.

 

Aus Ausweglosigkeit wird plötzlich ein Weg. Christen feiern die Eucharistie aus Höhepunkt ihres christlichen Tuns. Hier wird das Wort der Schrift gelesen und gedeutet. Hier geschieht Erkenntnis im Brechen des Brotes. Hier erwächst die Kraft, den Anderen Zeugnis zu geben, dass Jesus lebt, dass er bei uns ist, selbst dann, wenn wir oft wie blind sind, nicht erkennen. Ich wünsche uns allen immer wieder diese gute und wegbereitende Erkenntnis, die den Jüngern durch das Wirken Jesu erwächst und ihnen neue Hoffnung und Kraft schenkt.

 

Pastor Ludwig Opahle