Ein kleiner Vorgeschmack auf Ostern



Jeder Mensch braucht Ermunterung. Ohne Ermunterung, ohne positive Aussicht, ohne Trost, versinkt der Mensch in Hoffnungslosigkeit, in Depression und Apathie. Es gibt seelische Befindlichkeiten, in denen der Mensch sich selber Trost und Mut zuspricht, je nachdem, welche Situationen in seinem Leben schon einmal ähnlich waren, wie vielleicht eine aktuelle, der er gerade durchlebt.

Dann sagt sich der Mensch: „Das habe ich doch schon einmal so ähnlich erlebt. Ich bin damals gut aus der Sache herausgekommen, es wird auch diesmal wieder gut gehen.“ Aber es gibt auch Situationen im Leben, da reichen eigene positive und gute Erinnerungen nicht aus, um Situationen zu meistern, dann braucht es den anderen, den Mitmenschen, der positive Lebensenergie ausstrahlt, der mit Empathie und Optimismus begegnet, selbst auch in ganz schwierigen und bedrohlichen Lebenslagen. Die bedrohlichste Situation für einen Menschen ist das Wissen um die eigene Vergänglichkeit. Menschen weichen dieser Situation aus, flüchten sich in Ablenkungen, die dieses Wissen verdrängen. Und doch werden Menschen immer wieder damit konfrontiert, mit der eigenen Vergänglichkeit, vielleicht gerade jetzt in schwierigen Zeiten, in der Corona Krise. Auch dort gibt es Mechanismen, die dieses Wissen ausbremsen, indem sich Menschen mit materiellen Gütern eindecken, das Stichwort lautet: „Hamsterkauf.“ Dieses Verhalten scheint vielen ein Stück weit Sicherheit zu geben. Aber wie lange hält diese vermeintliche Sicherheit vor?

Jeder weiß es in der Tiefe seiner selbst, dass es Scheinsicherheiten sind. Wo aber kann der Mensch in schwierigen Situationen Trost und Sicherheit finden? Ich denke, das Evangelium vom 5. Fastensonntag  (Joh 11,1-45) kann ein wenig Antwort geben.  Lazarus lag schon vier Tage im Grab. Alle äußeren Zeichen verweisen deutlich darauf, dass er nicht mehr lebt, dass er wirklich tot ist. Für die Menschen um Lazarus eine endgültige Situation, die nicht mehr zu ändern ist. Sie rechnen, ihrem Verhalten nach, nicht mit einer positiven Wende. Sie sind in sich gekehrt, rein in der menschlichen Ebene gefangen. Es geschieht das Neue, das Unfassbare, das alles Menschliche übersteigt. Jesus, der Sohn Gottes, der menschgewordene Gott ist Herr über Leben und Tod. Er erweckt Lazarus zum Leben. Damit haben die Menschen um Lazarus herum nicht gerechnet. Viele kamen durch diese Erweckung zu Glauben an ihn. Glaube ist, sich selber loslassen, über sich selber erheben, Gott an sich selber handeln lassen.

 

Ich wünsche uns allen einen lebendigen Glauben, der alles Menschliche übersteigt, der sich über die reine menschliche Ebene ins Göttliche emporhebt, einen Glauben, der auf Gottes Handeln vertraut, auch in Zeiten der Corona Krise.

Pastor Ludwig Opahle