Der gute Hirte



Gott ist Liebe. Er ist nicht nur die Liebe, nein, er ist Liebe durch und durch.
Was aber ist Liebe, was macht Liebe aus? Liebe, ein Wort, ein Begriff, der oft missbraucht wird und wurde, ein Wort, ein Begriff, der oftmals das nur Eigene betont und so zu Egoismus werden kann und auch vielfach geworden ist. Doch schauen wir zurück auf den Begriff Liebe, die Liebe, wie sie von Gott her kommt, ja, wie Gott selber Liebe ist, denn Gott ist Liebe.
Wenn Gott allmächtig ist, wenn er alles in sich vereint, alle Möglichkeiten, alles Schöne, alles Gute, dann ist  er Inbegriff alles Guten und alles Schönen, dann ist er Liebe selbst, die das Gute und Schöne schlechthin in sich vereint.
Doch wie kann die Liebe in sich selber sein, wenn sie kein Gegenüber hat. Gott ist der dreifaltige Gott, Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Ein Gott in drei Personen. So findet zwischen den göttlichen Personen ein ständiger Austausch statt. Der Vater liebt den Sohn und der Sohn liebt den Vater. Das Band der Liebe ist der Heilige Geist, der von beiden ausgeht. Dieser Geist, der Heilige Geist ist es, der uns Menschen mit Gott in Verbindung, in Beziehung setzt.
So kam Jesus damals als irdisch historischer Jesus in die Welt, um uns die Liebe Gottes zu bringen und zu bezeugen. So kann er von sich aus die Aussage treffen, die im Evangelium des vierten Sonntag nach Ostern die Kernaussage ist. Jesus sagt von sich selber: „Ich bin der gute Hirte.“ Somit ist Jesus Liebe, er ganz Gott und ganz Mensch. Er vereinigt alles Eigenschaften, göttliche und menschliche, in sich. Er weiß, was wir brauchen, was uns fehlt.  Dieses „Hirtesein“ Jesu ist Liebe, die, wie schon Anfangs betont, das Schöne und Gute ist.
Menschen haben in ihrem Inneren Sehnsucht nach dem Schönen und Guten. Das bezeugen künstlerische Werke zu Genüge, das bezeugt unsere Sehnsucht nach Glück und Zufriedenheit.
Diese Welt kann uns im Letzten die innere Sehnsucht nach Glück und Zufriedenheit nicht erfüllen. Die Welt mit all ihren Möglichkeiten ist begrenzt. Das spüren wir immer wieder im Alltag, gerade jetzt in dieser Zeit, in Zeiten der Pandemie. Wir stoßen an Grenzen unserer Möglichkeiten und Fähigkeiten.
Wo kann die innere Sehnsucht, die oft grenzenlos ist, Erfüllung finden? Die Antwort gibt uns Jesus. Wir können uns seiner Selbstaussage vom guten Hirten öffnen. Dieses Öffnen ist der Glaube an seine Gegenwart, an seinem Sein unter uns. Glaube an Jesus Christus, dem guten Hirten, ist das über sich selber hinausgehen, über die eigenen Grenzen hinweg in ein neues Sein, das uns von Gott her zukommt, in die Liebe Gottes, die das Schöne und Gute ist.
Dieses Hinausgehen über sich selber im Glauben an den guten Hirten, der in Liebe für uns Menschen sorgt, hat Folgen für das tägliche miteinander. Jesus sorgt in Liebe für uns Menschen. Das wird deutlich beim letzten Abendmahl, indem er seinen Jüngern die Füße wäscht, als ein Dienst der Liebe, als ein Zeichen, das sagt: Ich möchte, dass es dir gut geht. Er hat uns ein Beispiel gegeben, wie auch wir einander handeln sollen. Es gibt so viele Möglichkeiten, um diesen Dienst der Fußwaschung in konkrete Taten umzusetzen, in Sorge um das Wohl des Anderen, des Nächsten. Vielleicht ist es das gute und tröstende Wort für jemanden, der traurig ist. Es gibt viele Möglichkeiten im Alltag zum Dienst am Nächsten. Antrieb muss immer das Schöne und Gute sein, das beiderseitige Wohl. Gott ist Liebe, die alle guten und schönen Eigenschaften in sich vereint.
Das Gegenteil von Liebe ist Hass. Hass ist das Böse, das Hässliche, das Schlechte, Neid, Eifersucht, das Zerstörerische. Davor will uns Jesus, der gute Hirte bewahren.  Es lohnt sich, sich täglich mit dem guten Hirten Jesus zu befassen.

Ich wünsche ihnen allen das Schöne und das Gute.
Pastor Ludwig Opahle