Christus ist erstanden!



Drei Worte, eine mächtige Wirkung. Eine unglaubliche Resonanz. Tausende, wahrscheinlich Millionen von Christen auf der ganzen Welt stimmten gestern – wie auch immer geartet – laut oder leise in diesen Jubelruf ein! Christus ist erstanden! Ja, wahrhaftig, er lebt, und er ist tausenden und abertausenden Menschen durch alle Jahrhunderte hindurch erschienen. Er hat sich sichtbar, spürbar und berührbar gemacht, und das auch noch HEUTE!
Jesus ist erstanden. Er ist von den Toten auferstanden. Für uns unglaublich! Unglaublich für den Menschen des 21. Jahrhunderts, dessen Denken von Rationalität, wissenschaftlicher Überprüfbarkeit und menschlicher Machbarkeit geprägt ist.
Jesus ist erstanden. Der Schluss: sein Leben, das eines Verbrechers, eines Geschmähten, Verachteten, eines zutiefst Gehassten und Gemobbten; jemand, der in die Abgründe menschlichen Lebens blickte; der das Übelste und Boshafteste, was einem Menschen je widerfahren kann, erlebt hat. Es war ein zutiefst grausames Spektakel damals am Calvarienberg. Eine Hinrichtung der ganz abscheulichen Art. Jesus ließ das alles zu. Er schrie nicht, und er lärmte nicht. Er machte seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wurde, machte er seinen Mund nicht auf. Er büßte nichts, aber auch rein gar nichts von seiner Friedfertigkeit und Sanftmütigkeit, aber  vor allem von seiner großen Menschenliebe ein.
Wie konnte er das nur? So hallt es immer wieder in meinem Inneren. Wie konntest du das nur? Wie war es dir möglich, all das durchzuhalten, ohne am Leben, an den Menschen, aber vor allem an Gott zu verzweifeln?
Es kam der dunkelste Moment in seinem Leben: „Vater, Vater, warum hast du mich verlassen!“ Es war die absolute Finsternis, wie sie kein Mensch jemals erlebt hat. Und er ließ sich in diese absolute Finsternis fallen. Er stürzte hinab ins endlose Nichts und fand den Halt: „Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist!“ Er übergab ihn freiwillig ab. In seinem Inneren öffnen sich im höchsten Moment des Schmerzes, des Leid und der Verzweiflung die Tore in eine neue Welt. Es ist die Welt seines Vaters, absolute Freiheit und Liebe.
Jesus durchbricht die Todesschranke! Im Tiefpunkt seines Schmerzes ist er am Höhepunkt seines Lebens angekommen. „Es ist vollbracht!“ Er vollendet die Liebe zu Gott, aber vor allem zu uns Menschen. Er beschließt sein Leben im Befreiungs- und Erlösungsakt. Er zeigt uns, dass der Tod, das Übel, die boshafteste Handlung des Menschen keine Macht über die eigentliche Macht, die tief im Herzen der Menschen eingewurzelt ist, hat: nämlich der Liebe. Es ist, was es ist, und es wird immer bleiben, was es ist: die Liebe.
Diesen Sieg der Liebe über den Tod zu feiern, gewinnt in diesen Tagen mehr denn je an Bedeutung. Das Leben entgleitet uns. Das Leben, es zeigt sich von seiner verletzlichsten Art. Erfahrungen der Ohnmacht, der Hilflosigkeit, der Bitterkeit und der Verzweiflung durchfluten die Wirklichkeit. Es fällt schwer, das Weltgeschehen mitzuverfolgen; Tag für Tag die Zahlen und Fakten. Kleine Hoffnungsschimmer, wenn die Zahlen sinken. Die innere und äußere menschliche Verfasstheit ist am Rande des Möglichen.
Mein Leben es geht weiter, doch wie? Wir wissen es nicht exakt. Der eine ist mehr und der andere weniger von der gesellschaftlichen Lage betroffen. Und dennoch können wir nicht kalt bleiben. Es muss unser Herz berühren. Jesus kennt das alles. Vor 2000 Jahren – es war schon da. Unser Leid ist definitiv sein Leid. Er ist es, der alles in sich vereint: Freude und Schmerz, tiefste Not und Tod und Hoffnung auf Befreiung, Heilung und Erlösung. Halten wir uns an ihn. Blicken wir fest auf ihn. Lassen wir seine Hand nicht los. Lesen wir sein Wort. Hören wir den Widerhall seines tiefen Vertrauen und seiner unerforschlichen Zuversicht in unseren Herzen neu erschallen. Er möchte es. Er möchte es so sehr. Er möchte uns in dieser aufwühlenden Zeit begleiten und  ganz nah sein; so nah, wie es niemanden möglich ist. Packen wir die Gelegenheit beim Schopf! Öffnen wir unser Herz für die Begegnung mit ihm in uns, in seinem Wort und so manch aufmunternden und hoffnungsvollen Zeichen. Das wünsche ich Ihnen – vor allem in diesen kommenden Tagen, in der uns der Auferstandene auf ganz besondere Art und Weise begegnen will.

 

Herr Jesus Christus,
du bist vom Tode auferstanden. Du hast das Schlimmste auf dich genommen. Deine Liebe kennt KEINE Grenzen. Dein größter Wunsch ist es, bei uns zu sein. Deine Liebe sucht verzweifelt unser isoliertes und von Trauer und Sorgen belastetes Herz. Hilf uns, aufzublicken. Hilf uns, die richtige Wende zu machen, um dein leises, aber sanftes „Maria!“ zu hören. Du sprichst unsere Sprache, und du sprichst einen jeden bei seinem/ihren Namen an. Lass uns ihn so hören, wie es unser Herz noch nie vernommen hat. Dein Segen und deine erlösende Liebe mögen uns in diesen Tagen und alle Tage unseres Lebens begleiten. Amen.

 

Sabine Kotzer