Ziele, Struktur und Verlauf des Prozesses


Im Pfarreientwicklungsprozess sind die Pfarreien im Bistum Essen aufgefordert, ihre Angebote und Strukturen an sich weiter verändernde gesellschaftliche und kirchliche Rahmenbedingungen anzupassen. Der Bischof hat die Pfarreien aufgefordert, sehr grundsätzlich und zielorientiert vor Ort darüber zu diskutieren, wie in ihrem Stadtteil oder ihrer Region die Kirche in den Jahren 2020 bis 2030 aussehen soll. Dabei geht es um eine lokale Kirchenentwicklung, die angesichts der Entwicklung der Zahl der Kirchenmitglieder und geringerer finanzieller Möglichkeiten nach Chancen für neue Formen des kirchlichen Zusammenlebens in den Gemeinden und Pfarreien unseres Bistums sucht.

Nach der Neuordnung der Pfarreien im Bistum Essen zwischen 2006 und 2008 wird erneut erkennbar, dass weitere Entwicklungsschritte notwendig sind. Bereits im Jahr 2009 wurde nach einem langen Beratungsprozess von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Pastoralplan für unsere Pfarrei Sankt Laurentius entwickelt. Er hat für die damals neu gegründete Pfarrei Ziele und Schritte für die Gestaltung des kirchlichen Handelns in Liturgie, Verkündigung, Nächstenliebe und das Leben in Gemeinschaft benannt.

Die Veränderungsprozesse in Kirche und Gesellschaft sind sehr schnelllebig geworden. Deshalb muss heute erneut an die Zukunft gedacht werden und eine Neuaufstellung erfolgen, damit in Bergerhausen, Eiberg, Freisenbruch, Horst, Kray, Leithe und Steele die Katholische Kirche auch in Zukunft wirksam bleibt.

Bischof Dr. Overbeck hat alle Pfarreien des Bistums mit der gleichzeitigen Durchführung des Pfarreientwicklungsprozesses beauftragt. Im Vergleich zu dem Prozess vor knapp zehn Jahren geht es jetzt darum, die pastoralen und wirtschaftlichen Perspektiven besser miteinander zu verzahnen. Dabei gilt: Die pastoralen Schwerpunktsetzungen bilden die Kriterien für die finanzielle und personelle Planung. Die Ressourcen haben eine dienende Funktion für die Art und Weise, wie Kirche in Zukunft lebendig sein kann und soll.

Der Pfarreientwicklungsprozess folgt dem Dreischritt "Sehen - Urteilen - Handeln". In der Phase "Sehen", die bis zum Ende des Jahres 2016 andauerte, ging es um die Klärung von Themen und Zeitplänen und die Bildung von Arbeitsgruppen. Bis Ende 2017 steht unter dem Motto "Urteilen" die Arbeit an einem "Votum" (siehe weiter unten) an. Dazu werden die verschiedenen Informationen und Einschätzungen zur Entwicklung der Pfarrei bewertet und daraus ein integriertes pastorales und wirtschaftliches Konzept für die künftige Gestalt der Pfarrei entwickelt.

Schließlich wird dieses Votum dem Bischof vorgelegt und anschließend umgesetzt ("Handeln"). Ziel ist eine lokale Zukunftsvision, die den pastoralen Leitideen und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Erfordernissen der Pfarrei entspricht. Aus der Antwort auf die Grundsatzfrage: "Was ist unsere Aufgabe, unsere Mission als Christinnen und Christen in der Gesellschaft?", ergibt sich die konkrete Überlegung: "Wie wollen wir in Zukunft Kirche vor Ort sein?"

Die Pfarreiprozesse werden nicht im "Hinterzimmer" ausgehandelt. Vielmehr sollen möglichst viele Menschen an den Überlegungen zur künftigen Gestalt der Kirche in ihrem Ort oder Stadtteil beteiligt werden. Eine Koordinierungsgruppe steuert den Prozess. Ihr gehören neben dem Pfarrer und der Verwaltungsleitung Mitglieder des Pfarrgemeinderats, des Kirchenvorstands und der Pastoralkonferenz an. Hinzu kommen Vertreterinnen und Vertreter des Runden Tisches Jugend. Je ein Berater für pastorale und wirtschaftliche Fragen begleitet den Prozess.

Die Mitglieder der Koordinierungsgruppe in unserer Pfarrei Sankt Laurentius ...

... …aus dem Pfarrgemeinderat: Lutz Frye
Christoph Hahne
... …aus dem Kirchenvorstand: Christiana Meier-Happe
Jürgen Weber
... …aus dem Pastoralteam: Michaela Cornelius
Dr. Andreas Geßmann
Markus Zingel
... …vom Runden Tisch Jugend: Felix Happe
Darius Heinrich
Lucas Kosmala
Eva Kruk
Lukas Kuhlmann
Mark Rosenbaum
Alexandra Weiß
... …aus der Verwaltung: Lukas Saurusajtis
Uwe Stewen
Pastoraler Begleiter…: Dr. Gregor Meder
Wirtschaftlicher Begleiter…: Rainer Strehle

Die Koordinierungsgruppe hat thematische Arbeitsgruppen eingesetzt, die sich mit einzelnen Themen des Pfarreiprozesses beschäftigen. In den Arbeitsgruppen wirken Interessierte aus allen Bereichen der Pfarrei und der einzelnen Gemeinden mit.

Die Koordinierende Arbeitsgruppe erstellt schließlich das Votum, das gemeinsam vom Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand beschlossen und dem Bischof zur Genehmigung vorgelegt wird.

Arbeitsgruppe „Gesendet

In einem ersten Schritt in der Phase „"sehen"“ haben die Mitglieder der AG „"gesendet"“ alle Aktivitäten (Gottesdienstangebote, Verbände, Gremien, Veranstaltungen, Gruppierungen, Aktivitäten uvm.) in unseren 4 Gemeinden zunächst gesammelt. Diese sehr lange Liste der einzelnen Angebote wurde dann unter Überschriften zusammengefasst. Statt z.B. jede einzelne Chorgruppe in unserer Pfarrei aufzuführen, wurden diese unter „Kirchenmusik“ zusammengefasst. Ebenso wurden die vielen Gruppen und Aktivitäten unter Überschriften zusammengefasst. Damit ist ein leichterer Überblick über die zahlreichen Angebote in unserer Pfarrei entstanden. Im Anschluss daran hat es sich die AG "„gesendet"“ zur Aufgabe gemacht, alle Aktivitäten und Angebote den Grundvollzügen von Kirche zuzuordnen.

Diese Zuordnung soll es in der zweiten Phase des Pfarreiprozesses leichter machen zu (be-)urteilen, welche Angebote in unserer Pfarrei dem Auftrag Jesu entsprechen und somit wichtig für unsere Pfarrei sind.

Arbeitsgruppe „Gesellschaftliche Bestandsaufnahme

Die Arbeitsgruppe hat die Zahlen und Daten kirchlicher Statistiken für den Bereich der Pfarrei aufbereitet: die Entwicklung der letzten Jahre in den Bereichen Taufe, Trauung, Beerdigung, Katholikenzahlen.

Die Arbeitsgruppe hat darüber hinaus den Blick auf demographische Entwicklungen gerichtet: auf die Präsenz und die Bedürfnisse der verschiedenen gesellschaftlichen Milieus, die in den Stadtteilen unserer Pfarrei leben. Diese und andere wichtige sozialwissenschaftliche Daten können wichtige Hinweise auf pastorale Herausforderungen angesichts der gesellschaftlichen Situation und Entwicklung geben.

Arbeitsgruppe „Bestattungskultur und Friedhöfe

Die Pfarrei Sankt Laurentius ist Träger von vier Friedhöfen, deren Finanzierung angesichts eines Überangebots im Vergleich zur Zahl der Bestattungen eine enorme Belastung darstellt. Gleichzeitig bedeutet eine sich wandelnde Bestattungskultur in der Gesellschaft eine große pastorale Herausforderung an den wichtigen Dienst der Kirche für Verstorbene und Trauernde.

Die Arbeitsgruppe Bestattungskultur und Friedhöfe hat beide Themen miteinander verbunden. Sie hat die heutigen Anforderungen an Begräbnispastoral und Trauerbegleitung wahrgenommen und erste Ideen entwickelt, wie den unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung getragen werden kann.

Arbeitsgruppe „Personalfragen

Die Arbeitsgruppe Personalfragen hat eine Bestandsaufnahme zur Situation und erwartbaren Entwicklung der personellen Beschäftigung in der Pfarrei vorgenommen: in den Bereichen Verwaltung und Pastoral.

Darüber hinaus hat die Arbeitsgruppe den Bereich des ehrenamtlichen Engagements in der Pfarrei in den Blick genommen, das in ganz vielfältiger Weise in allen Bereichen des pfarrlichen Lebens existiert und erfreulicherweise weiterhin Zuwächse verzeichnet. Es ist unverzichtbar für das kirchliche Leben und wird in Zukunft eine noch größere Bedeutung haben. Da sich aber auch die Bedingungen an das Ehrenamt gegenüber früheren Formen deutlich verändert haben, sind neue Konzepte für die Qualifizierung, Begleitung und Koordinierung von Ehrenamtlichen sowie die Kooperation von Haupt- und Ehrenamt zu erarbeiten.

Arbeitsgruppe „Liegenschaften

Die Arbeitsgruppe hat eine Übersicht über die Liegenschaften der Pfarrei, den baulichen Zustand und die derzeitige Nutzung der Gebäude erstellt. Darüber hinaus hat sie die Daten zu Anlagevermögen, Betriebskosten und künftigem Renovierungsbedarf ausgewertet.

Runder Tisch Jugend

Die Zukunft gestalten – eine Aufgabe, die nicht ohne Menschen geschehen kann, die diese Zukunft dann leben werden. Junge Frauen und Männer werden in dem Rahmen, den die Prozesse schaffen werden, ihr Christsein gestalten und weitertragen.

Der Runde Tisch Jugend wurde nicht erst im Rahmen des Pfarreientwicklungsprozesses gegründet. Er ist das Gremium, in dem sich schon seit Gründung der Pfarrei im Jahr 2008 Verantwortliche aus den verschiedenen Bereichen der Jugendarbeit in unseren Gemeinden miteinander vernetzen. Um die Beteiligung junger Menschen in dem Prozess sicherzustellen, nehmen Vertreterinnen und Vertreter des Runden Tisches kontinuierlich an den Beratungen der Koordinierungsgruppe teil.

Pfarrversammlung und Visionstag

Im Herbst 2016 waren alle interessierten Pfarreimitglieder in einer offenen Pfarrversammlung eingeladen, sich über den Prozess und die Arbeit in der ersten Phase zu informieren.

Zur Erarbeitung von pastoralen Leitsätzen fand im März 2017 eine intensive Tagung - der "„Visionstag" - statt, an dem rund achtzig Vertreterinnen und Vertreter aus allen Gremien und Räten der Gemeinden und der Pfarrei sowie aus den Gruppen und Verbänden vor Ort beteiligt waren. Die Ergebnisse werden zeitnah von der Koordinierungsgruppe zusammengefasst. Sie dienen als Kriterien für die Entwicklung von konkreten Optionen für das Pastoral- und Wirtschaftskonzept.

Bis zum Ende des Jahres 2017 erstellt die Koordinierende Arbeitsgruppe ein Votum mit dem Ergebnis der Beratungen aus ihrem Pfarreiprozess. Dieses Votum ist ein in der Pfarrei abgestimmtes Konzept. Zielhorizont der Planung ist das Jahr 2030; das Votum beschreibt auch Übergänge in der Entwicklung bis dahin. Es besteht aus einem pastoralen und einem wirtschaftlichen Konzept. Das pastorale Konzept ist die Leitperspektive für das wirtschaftliche Konzept. Ein Beispiel: Wenn sich eine Pfarrei künftig besonders zur Präsenz der Kirche im Stadtteil und zum diakonischen Engagement verpflichtet, müssen diese beiden Leitperspektiven auch im wirtschaftlichen Konzept erkennbar sein.