Gebäudemanagement


Kirchliche Gebäude sind wesentlich für die Gestaltung pastoraler Arbeit vor Ort. Sie sind aber auch ein ganz erheblicher Kostenfaktor in den kirchlichen Haushalten. Die nachhaltige Sicherung des laufenden Unterhalts und des Instandsetzungsbedarfes ist aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen, im bisherigen Umfang langfristig nicht umsetzbar.

Aufgrund demographischer Faktoren und eines veränderten Bindungsverhältnisses zur Kirche ist sowohl in den Gottesdiensten als auch in den Gemeinden ein Rückgang von aktiven Katholiken bei steigendem höherem Lebensalter festzustellen. Den veränderten Gegebenheiten Rechnung zu tragen und ein zukunftsfähiges Pastoralkonzept zu entwickeln, ist die erste Aufgabe der Verantwortlichen im Pfarreientwicklungsprozess. Ziel ist es, den Glauben weiterzugeben, die Vielfalt der Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen zu sehen und mit ihnen zu leben, Gemeinschaft erfahrbar zu machen, das Miteinander zu prägen, die Gesellschaft mitzugestalten, wertschätzend miteinander zu kommunizieren und Veränderungen zu bejahen.

Anders gesagt: Der Anzug, der früher passte, ist heute einige Nummern zu groß geworden. Aufgrund sinkender Einnahmen und der zu erwartenden Kostensteigerungen für Personal, Energie, Sachkosten sowie der Bildung von Rücklagen für den Erhalt pastoral genutzter Gebäude, müssen die Aufwendungen der Pfarreien im Bistum Essen durchschnittlich bis 2020 um 30 % und bis 2030 um 50 % verringert werden. Die Finanzierung aller bisher genutzten pastoralen Gebäude wird zukünftig nicht mehr möglich sein.

Derzeit gibt es keine Entscheidung darüber, welche Kirchen und Gemeindeheime wann geschlossen werden. Auf der Grundlage der pastoralen Zielsetzungen wird die Koordinierungsgruppe in der zweiten Jahreshälfte 2017 Modelle ("Szenarien") entwickeln, an welchen Orten und mit welchen Gebäuden diese Ziele erreicht werden sollen.

Alle pastoralen Gebäude sollen in vier Kategorien eingeteilt werden. Die folgende Tabelle erläutert das System am Beispiel der Kirchen:

Kategorie Kriterien Konsequenzen
A Die Kirche ist für die Seelsorge der Pfarrei unentbehrlich, der Standort steht auf absehbare Zeit nicht zur Diskussion. Bauliche Investitionen (gebäude- und nutzungsrelevant), auch über den bloßen Erhaltungsbedarf hinaus, sind möglich.
B Die Notwendigkeit dieser Kirche für die Seelsorge ist mittelfristig zu überprüfen; Standortzusage über zehn Jahre hinaus nicht möglich. Bis zur endgültigen Entscheidung erfolgen lediglich substanzerhaltende gebäuderelevante bauliche Maßnahmen.
C 1 Die Kirche ist bzw. erscheint für die pastorale Entwicklung der Pfarrei nicht unbedingt notwendig. Es besteht jedoch kein Anlass, ihre Profanierung vorzusehen (Bsp. weitere Kirche mit pastoraler Nutzung). Grundsätzlich werden über die Erfüllung der Verkehrssicherungspflichten hinaus nur noch Instandhaltungsmaßnahmen in geringem Umfang durchgeführt.
C 2 Die Kirche ist bzw. erscheint für die pastorale Entwicklung der Pfarrgemeinde nicht unbedingt notwendig. Es liegen Gründe vor, ihre Schließung vorzunehmen. Über die Erfüllung der Verkehrssicherungspflichten hinaus werden keine Maßnahmen durchgeführt.
     
  Kirchen mit Denkmalschutz, die der Kategorie B bis C 2 angehören. Hier gelten für die Bauunterhaltung die gleichen Konsequenzen wie oben unter B bis C 2 aufgeführt.

Für alle mittel- und langfristig genutzten Immobilien muss im Haushalt der Kirchengemeinde eine entsprechende Rücklage gebildet werden, die vom Bistum aus Kirchensteuermitteln bezuschusst wird. Dafür gibt es künftig keine Beteiligung des Bistums an konkreten Reparaturmaßnahmen mehr.

Bislang gibt es keine Entscheidung, welche Kirche in welche Kategorie eingruppiert wird. Jedes einzelne Objekt wird für sich unter pastoralen, demographischen und bautechnischen Aspekten sowie unter Berücksichtigung der Gesamtfinanzlage und der Gesamtpastoral der Pfarrei betrachtet werden.

Bislang ist keine Entscheidung gefallen, welche pastoralen Gebäude mittel- und langfristig aus pastoralen wie aus betriebswirtschaftlichen Gründen entfallen können. Die pfarrlich verantwortlichen Gremien werden dem Bischof ein Votum zur Genehmigung vorlegen.

Die pfarrlich verantwortlichen Gremien legen dem Bischof ein Votum aus der Pfarrei vor, wie die wirtschaftliche und pastorale Entwicklung sowie das Gebäudemanagement der Pfarrei bis zum Jahr 2030 aussehen soll. Der Bischof genehmigt das Votum, das dann für die Gremien vor Ort als verbindliche Orientierung für alle Maßnahmen der künftigen Pfarreientwicklung dient. Über konkrete Gebäudeschließungen wird in jedem Einzelfall erst in einem zweiten Schritt bei Vorliegen entsprechender Notwendigkeit von den pfarrlich verantwortlichen Gremien - in Einvernehmen mit dem Bistum - entschieden.

Ein Zeitraum ist nicht beschlossen. In jedem Einzelfall muss unter Berücksichtigung aller Interessen und Zwänge eine Entscheidung getroffen werden.

Grundlage wird die Entscheidung des Bischofs für die Pfarrei Sankt Laurentius sein. In jedem Einzelfall müssen im Bedarfsfall die pfarrlich verantwortlichen Gremien in Kooperation mit dem Bistum Essen die Entscheidung über die Weiternutzung jeder einzelnen Immobilie treffen.

Einen festgelegten Plan gibt es nicht. In jedem Einzelfall wird ein Nutzungskonzept zu erstellen sein.

In jedem Einzelfall muss nach einer Lösung gesucht werden. Primäres Ziel ist die sinnvolle Weiternutzung. Aufgrund der Zahl des möglicherweise zur Verfügung stehenden Inventars kann es jedoch möglich werden, dass sie zwischenzeitlich eingelagert werden müssen. Das Bistum hat dafür einen speziellen Lagerort geschaffen.